Zur Durchlässigkeit des Bolognasystems an der Uni Wien

Die Einführung der „dreigliedrigen Studienarchitektur“ (Bachelor, Master, PhD) hat bekanntlich viele Nachteile und Jenseitigkeiten mit sich gebracht (die da wären: Verschulung, Voraussetzungsketten, überfrachtete Curricula, ...), während von den angekündigten Vorteilen hinsichtlich Erhöhung der Mobilität, besseren Spezialisierungsmöglichkeiten und internationaler Anerkennung der unterschiedlichen Abschlüsse letztlich nichts geblieben ist. Der Wechsel innerhalb desselben Studiums von einer österreichischen Universität an eine andere ist in vielen Bereichen sogar noch schwieriger geworden. Ein Wechsel der Studienrichtung oder des eigenen Schwerpunkts zwischen Bachelor und Master ist in vielen Fällen wenn überhaupt, nur sehr schwer und ohne jegliche Planungssicherheit möglich. Die Betroffenen sind aufgrund der monokratischen Entscheidungsstruktur vollständig von Einzelpersonen und deren Entscheidungen (zuständige (Vize)Studienprogrammleitung) abhängig, der Rechtsweg bei Fehlentscheidungen ist ziemlich aussichtslos. Notwendig wären also vor allem demokratische Entscheidungsprozesse, um gravierenden Fehlentscheidungen entgegenzutreten bzw. zu verhindern. Kurzfristig wären zudem einige Schritte möglich, um den Übertritt vom Bachelor in den Master zu erleichtern:

Zum Einen würde es eine wesentliche Verbesserung bedeuten, wenn von den einzelnen SPLs für die jeweiligen Masterstudien klar ausgewiesen würde, mit welchen Vorstudien und zusätzlichen Auflagen welche Master belegt werden können. Wer sich in der zweiten Hälfte des BA-Studiums über einen anschließenden Master Gedanken macht, hat so einerseits die Möglichkeit aus tatsächlich in Frage kommenden Studien zu wählen, andererseits könnten die zu erwartenden Auflagen schon im Vorfeld absolviert werden. Die logische Konsequenz dieses ersten und praktisch völlig unproblematischen Schrittes wären Verordnungen für besonders häufige Übertrittsszenarien, um das Inskriptionsprozedere entsprechend zu verkürzen.
Für hunderte Übertritte könnte so das aufwändige Verfahren der Einzelfallprüfungen abgekürzt und die Fortsetzung des Studiums erheblich erleichtert werden!
Über die Erweiterungscurricula könnten darüber hinaus „Qualifikationsmöglichkeiten“ geschaffen werden, um die Durchlässigkeit zu erhöhen. Es muss möglich sein im Rahmen der Bologna-Struktur auf ein Nachbarstudium zu wechseln, oder sich in einen anderen Bereich zu vertiefen!

Darüber hinaus haben die Unis den gesetzlichen Spielraum, um die Zulassungsfristen für Masterstudien zu flexiblisieren. In einer Vielzahl von Fällen ist beim Übertritt ins Masterstudium das lange Warten auf das Bachelorzeugnis das größte Hindernis: wer nicht binnen der Nachfrist von der ohnehin völlig überlasteten Unibürokratie mit den notwendigen Unterlagen versorgt wird, ist dazu verdonnert auf das nächste Semester zu warten, und zwar ohne Studien- oder Familienbehilfe, Versicherung etc.